EOS-Wiesbaden e.V.

Pressemitteilung

 

 

Patientenhilfeverein protestiert gegen Schließung
des Kompetenzzentrums für Knochenmarktransplantation
an der DKD HELIOS Klinik in Wiesbaden

 

- Drohende Versorgungslücke auf Kosten schwerstkranker Patienten -
- Erhalt der lebenswichtigen Nachsorgeambulanz für rund 500 Patienten ungewiss -
- Verlust hoher medizinischer Fachkompetenz im Großraum Wiesbaden -

 

Wiesbaden, 01.08.2017. Der Patientenhilfeverein für hämatologisch Transplantierte, EOS e.V., wehrt sich entschieden gegen die geplante Schließung des ‚Zentrums für Blutstammzell- und Knochenmarktransplantation’ (KMT-Zentrum) an der DKD HELIOS Klinik in Wiesbaden (DKD)

Die Schließung hat einschneidende Folgen für alle an Leukämie erkrankten Patienten, die fremde Stammzelltransplantationen erhalten haben bzw. künftig erhalten werden. Solche allogenen Transplantationen wird es nach den Vorstellungen von HELIOS in Wiesbaden nicht mehr geben. Im Zuge der geplanten Umstrukturierung werden lediglich noch Transplantationen mit eigenen Stammzellen an der HELIOS Horst-Schmidt-Klinik in Wiesbaden erfolgen. Dies hat der Träger HELIOS auf Nachfrage gegenüber dem Patientenhilfeverein EOS e.V. inzwischen schriftlich bestätigt.

HELIOS-Entscheidung kommt völlig unerwartet

 „Wir sind fassungslos, völlig überrascht und tief besorgt. Die Schließungspläne gehen zu Lasten schwerstkranker Leukämiepatienten die fremder Spenderzellen bedürfen. Für sie stellen die Transplantationen mit fremden Stammzellen sowie die Nachsorge eine lebensrettende Therapieform dar. Wir erwarten, dass HELIOS seiner Verantwortung als Krankenhausträger gegenüber seinen Patienten nachkommt und das KMT-Zentrum mit dem bisherigen Therapieumfang erhält “, sagt Corinna Maier-Reinhardt, Vorsitzende von EOS e. V. - Hilfe für hämatologisch Transplantierte und selbst betroffene Patientin. Trotz intensiver Nachfragen hat der Patientenhilfeverein von HELIOS bisher kein einziges Argument erhalten, das die übereilte Schließung des Kompetenzzentrums und die Aufgabe der allogenen Transplantation medizinisch und sachlich nachvollziehbar begründet. Immerhin drohe durch den Wegfall der Kapazitäten im Bereich der Transplantationen mit fremden Spenderzellen eine erhebliche Versorgungslücke für lebensgefährlich an Leukämie erkrankte Patienten im Großraum Wiesbaden, so die Vorsitzende des ehrenamtlich tätigen Patientenhilfevereins weiter.

Zukunft der Nachsorgeambulanz offen

Auch der Erhalt und die Fortführung der zum KMT-Zentrum gehörenden und für allogen transplantierte Leukämiepatienten unverzichtbaren Nachsorgeambulanz ist völlig ungewiss. Damit droht für rund 500 Patienten, die in den vergangenen Jahren und bis jetzt an der DKD mit Spenderzellen transplantiert worden sind, eine eklatante Versorgungslücke. Dieser Patientenkreis wird regelmäßig in der Nachsorgeambulanz des KMT-Zentrums an der DKD behandelt. Die engmaschige, lebenslange Nachsorge ist für diese Personengruppe überlebenswichtig. Neben der erforderlichen dichten Nachsorge nach einer Transplantation zur Regulierung des neuen Immunsystems werden in der Ambulanz unter anderem Komplikationen und Spätfolgen, wie schwerste Abstoßungsreaktionen, behandelt. Dabei ist gerade für den Behandlungserfolg von Spätfolgen die Kontinuität des behandelnden Arztes, der den Krankheitsverlauf in allen Einzelheiten kennt, von entscheidender Bedeutung. „Es ist unser erklärtes Ziel, dass die Nachsorgeambulanz des KMT-Zentrums in ihrer bisherigen Struktur und mit unverändertem Leistungsspektrum dauerhaft erhalten bleibt. Wir fordern daher von HELIOS, die Ambulanz auch weiterhin mit dem erforderlichen Personal im Ärzte- und Pflegebereich auszustatten, welches über die notwendige medizinische Expertise für allogen Transplantierte verfügt“, sagt Ralf Kellerer, Vorstandsmitglied von EOS eV und ebenfalls selbst betroffener Patient. HELIOS trage Verantwortung gegenüber seinen Patienten, die sich im Vertrauen auf eine kompetente, verlässliche und kontinuierliche Nachsorge, in die Obhut der DKD begeben hätten.

Verlust eines der größten Transplantationszentren in Deutschland

Mit der geplanten Schließung des KMT-Zentrums verliert Wiesbaden ein weit über die Stadtgrenze und Deutschland hinaus fachlich hoch anerkanntes Transplantationszentrum. Es erhält Zuweisungen aus der ganzen Bundesrepublik - auch von Universitätskliniken - und aus über 30 Nationen weltweit. Mit den jährlich etwa 80 vorwiegend allogenen Transplantationen gehört das KMT-Zentrum an der DKD - auch nach eigener Aussage der HELIOS Kliniken GmbH - zu den größten seiner Art in Deutschland. In den 22 Jahren seines Bestehens wurden mehr als 1.600 Transplantationen von einem fachlich hoch kompetenten und äußerst motivierten Ärzte- und Pflegeteam durchgeführt.

Über EOS e.V. – Hilfe für hämatologisch Transplantierte

EOS e.V. – Hilfe für hämatologisch Transplantierte ist ein Patientenhilfeverein, der sich vor 16 Jahren an dem KMT-Zentrum der DKD gegründet hat. Er ist eine Initiative ehemaliger Patienten, die eine Knochenmark-/Blutstammzelltransplantation erhalten haben sowie deren Angehörigen und Mitarbeitern der DKD. Bis heute stellen sich ehemalige KMT-Patienten der DKD für die Funktionen im Vorstand ehrenamtlich zur Verfügung. Seine Aufgaben bestehen in erster Linie in der Unterstützung der Transplantationspatienten des KMT-Zentrums. So gewährt der Verein u.a. finanzielle Unterstützung, wenn der Patient oder Angehörige durch die Erkrankung in Not geraten, führt Besuche durch und organisiert die Unterbringung von Angehörigen in der Nähe der Klinik.
 

Ansprechpartnerin für Medienrückfragen:   

Corinna Maier-Reinhardt

- Vorsitzende von EOS e.V. -

Telefon: 06103-61390

E-Mail: corinna.maier-reinhardt@eos-wiesbaden.de

 

Information zu Presseberichten über Veränderungen an der DKD

(Stand 14. Juli 2017)

 

Am 21./22. Juni 2017 erschienen im Wiesbadener Kurier und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Berichte über Umstrukturierungen an der DKD HELIOS Klinik Wiesbaden. Fußend auf einer Pressemitteilung und Pressekonferenz von HELIOS wird darin leider nur in zwei kleinen Absätzen am Ende des Textes über Veränderungen berichtet, die das Zentrum für Blutstammzell- und Knochenmarktransplantation betreffen. In der Pressemitteilung wie auch den Zeitungsartikeln wird angegeben, bis zum Jahresende erfolge „die geplante Integration der bisher in der DKD HELIOS Klinik angesiedelten Knochenmarktransplantation an die Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin des Maximalversorgers HELIOS HSK.“

Wir von EOS e.V. waren von den geplanten Veränderungen ebenso überrascht, wie die Abteilung selbst. Die Berichterstattung hat bei uns, aber auch bei einigen Patienten und Vereinsmitgliedern, eine Reihe von Fragen aufgeworfen. Aus diesem Grund haben wir umgehend Kontakt mit der Wiesbadener Geschäftsleitung aufgenommen und um ein Gespräch gebeten. Dieses hat am 30. Juni 2017 stattgefunden.

Unseren derzeitigen Kenntnisstand möchten wir zur Information aller hier zunächst kurz weitergeben:

-          die tatsächliche Tragweite der HELIOS-Entscheidung zum KMT-Zentrum wird in der Pressemitteilung von HELIOS selbst wie auch den Zeitungsartikeln leider nicht zutreffend widergegeben; die von HELIOS gewählte Formulierung lässt den Eindruck entstehen, dass „die bislang an der DKD HELIOS Klinik Wiesbaden angesiedelte Knochenmarktransplantation“, also das KMT-Zentrum von den Räumlichkeiten der DKD in die HSK umzieht, ansonsten aber alles, d.h. Therapieangebot, Therapieumfang sowie die personelle Besetzung mit Ärzten und Pflegern unverändert erhalten bleibt; dies ist zu unserem Bedauern und Entsetzen nicht der Fall;

-          das „Zentrum für Blutstammzell- und Knochenmarktransplantation“ an der DKD wird bis zum Jahresende geschlossen, d.h. räumlich, personell und fachlich aufgelöst;

-          an der HELIOS HSK wird zukünftig nur noch autolog transplantiert (also mit eigenen Stammzellen); unter HELIOS wird es in Wiesbaden zukünftig keine allogenen Transplantationen (fremde Stammzellenspende) mehr geben;

-          für die Behandlung allogen zu transplantierender Leukämiepatienten sucht HELIOS eine Uniklinik als Kooperationspartner, an den diese Patienten verwiesen werden;

-          nach dem gegenwärtigen Stand umfasst die Schließung des KMT-Zentrums auch die Schließung der KMT-Ambulanz, was alle an der DKD bereits allogen transplantierten und die derzeit auf der Station liegenden Patienten betrifft, die - wie wir wissen - auf eine lebenslange Nachsorge, manche in kleinerem, manche aber über viele Jahre auch in größerem Umfang dringend angewiesen sind;

Wir haben im Rahmen unseres Gespräches mit Herrn Nowotny (Geschäftsführer der DKD HELIOS Klinik Wiesbaden) auf die dringende Notwendigkeit hingewiesen, wenigstens die KMT-Ambulanz zu erhalten mit ihrem bisherigen therapeutischen Umfang und dem bisherigen Personal. Dies würde zumindest für die bereits allogen Transplantierten die weitere qualifizierte Behandlung und Nachsorge sicherstellen, ohne einen Arztwechsel. Denn ein Behandlerwechsel stellt für uns mit unseren Langzeitfolgen auch immer einen Kenntnisverlust des Behandlungsverlaufs dar, der vermieden werden muss. Um die Kontinuität der Behandlung und die Bedeutung der Langzeitnachsorge zu unterstreichen, haben wir im Rahmen unseres Gespräches Herrn Nowotny einen Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt zu der Thematik Langzeitnachsorge übergeben. 

Darüber hinaus haben wir Herrn Nowotny als Vertreter der HELIOS Kliniken GmbH ausdrücklich aufgefordert, die Tragweite der die KMT betreffenden Entscheidung gegenüber der Öffentlichkeit und den Patienten zutreffend, umfassend und offen zu kommunizieren. Zu diesem Zweck werden wir einen Fragebogen für und mit HELIOS ausarbeiten, mit den am häufigsten gestellten Fragen. HELIOS hat zugesagt, diesen in einem Schreiben zu beantworten und dieses allen Patienten zuzusenden.

Wir sind entsetzt und zutiefst betroffen und können nicht nachvollziehen, dass HELIOS so plötzlich beabsichtigt, das KMT- Zentrum zu schließen -  ein Transplantationszentrum, das im Bereich der allogenen Transplantationen über 22 Jahre erfolgreich gearbeitet hat, weit über die Grenzen von Wiesbaden hinaus bekannt und anerkannt ist, Zuweisungen aus der ganzen Bundesrepublik und dem Ausland bekommt und über eine langjährige, medizinische Erfahrung und Kompetenz verfügt wie nur wenige Transplantationszentren. Auch dies haben wir nachhaltig und deutlich gegenüber Herrn Nowotny als Vertreter der HELIOS Kliniken GmbH zum Ausdruck gebracht. Auf unsere Frage, ob es eine Möglichkeit gibt, auf die Entscheidung der HELIOS Kliniken GmbH noch einmal Einfluss zu nehmen, bekamen wir ein klares NEIN als Antwort.

Dennoch werden wir mit der Geschäftsleitung im Gespräch bleiben und hoffen, wenigstens die KMT-Ambulanz erhalten können, ob in den Räumlichkeiten der DKD oder der HSK.

Über weitere Neuigkeiten werden wir Sie alle hier unter der Rubrik „Aktuelles“ auf dem Laufenden halten.

Herzliche Grüße

Der Vorstand von EOS e.V. – Hilfe für hämatologisch Transplantierte